Immer schneller, immer digitaler: Der moderne digitale Zahlungsverkehr hat viele Vorteile, er zieht aber auch neue Betrugsformen nach sich. Die Deutsche Bundesbank hat deshalb wichtige Vertreter*innen aus allen Bereichen an einen Tisch geholt. Ihr Ziel: der vereinte Kampf gegen die neuen Kriminalitätsformen. Mit dabei: die LDI NRW, stellvertretend für die deutschen Datenschutzbehörden.
Noch vor wenigen Jahren war der Begriff „Social Engineering“ nur Fachleuten bekannt. Heute wird diese Form des Betrugs mittels „Identitätsdiebstahl“ nahezu täglich versucht. Kriminelle verleiten dabei etwa ihre Opfer, vertrauliche Informationen preiszugeben, Sicherheitsfunktionen auszuhebeln, Überweisungen zu tätigen oder Schadsoftware auf dem privaten Gerät oder einem Computer im Firmennetzwerk zu installieren.
Wie ernst zu nehmen diese neue Form des Betrugs im Zahlungsverkehr ist, zeigt nun auch eine Aktion der Deutschen Bundesbank. Sie hat vor wenigen Wochen Vertreter*innen der wichtigsten Akteur*innen in diesem Bereich an einen Tisch gebracht, um wirksame Strategien zu diskutieren und zu entwickeln – darunter auch die Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit in NRW (LDI NRW), stellvertretend für die deutschen Aufsichtsbehörden. Mit von der Partie waren zudem hochrangigen Vertreter*innen des Finanzsektors, von Handel, Verbraucherschutz, von Telekommunikations- und Internetdienstleistern, Ministerien sowie Aufsichts- und Strafverfolgungsbehörden.
Die Teilnehmenden sind sich darüber einig, dass es sich bei der Betrugsbekämpfung um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe handelt, die den vollen Einsatz und die Zusammenarbeit aller Beteiligten erfordert. Es wurden konkrete Handlungsfelder identifiziert, die in Form gemeinschaftlicher Arbeiten auf Expertenebene weiterverfolgt werden sollen. Ziel ist die Erarbeitung konkreter Maßnahmen, mit denen Betrug im Zahlungsverkehr branchenübergreifend wirksam bekämpft werden kann.
Dabei war das Roundtable lediglich der Auftakt einer intensiven Zusammenarbeit. Die Teilnehmenden werden sich auch in Zukunft regelmäßig treffen, um die Arbeiten auf Expertenebene zu begleiten und sich insbesondere auch über konkrete Maßnahmen zu verständigen. Die LDI NRW nahm als Vorsitzende des zuständigen Fach-Arbeitskreises der Datenschutzkonferenz (DSK) teil, des Zusammenschlusses der Datenschutzaufsichtsbehörden von Bund und Ländern.
Die Landesdatenschutzbeauftragte in NRW, Bettina Gayk, betont dazu: „Die Betrugsbekämpfung ist eine über verschiedene Wirtschaftssektoren hinweg gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Bekämpfung von Betrug und der Schutz von Menschen vor einer rechtswidrigen Nutzung ihrer Daten sind ähnliche Zielsetzungen. Insofern haben Strafverfolgung und Datenschutz ein gemeinsames Anliegen“. Allerdings müssten die Verfahren auch so gestaltet sein, dass unbescholtene Personen nicht vorschnell zu Unrecht in den Fokus eines etwaigen Betrugs geraten. Insbesondere beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz müssten Verfahren und Ergebnisse deshalb transparent gestaltet werden, einem ständigen Monitoring unterliegen und zügige Korrekturen zulassen. „Ein zentraler Punkt ist deshalb in allen Verfahren, die Transparenz über die Verarbeitung der Daten herzustellen“, betont Gayk.
Die LDI NRW wird in die weiteren Treffen des Roundtable sowie in die Arbeiten auf Expertenebene ihre Kenntnisse und Erfahrungen einbringen. Sie hat den Vorsitz des DSK-Arbeitskreises Kreditwirtschaft inne und vertritt die Bundesländer auch in der zuständigen Arbeitsgruppe des Europäischen Datenschutzausschusses (EDSA) auf europäischer Ebene. So hat sie bereits Vorgaben für den Datenaustausch unter Zahlungsdienstleistern formuliert, die dazu geführt haben, dass der EDSA 2024 gemeinsam mit dem Europäischen Datenschutzbeauftragten (EDSB) eine Stellungnahme zu den EU-Gesetzesvorschlägen veröffentlicht hat (www.edpb.europa.eu/our-work-tools/our-documents/statements/statement-22024-financial-data-access-and-payments-package_en).
Die Erklärung der Deutschen Bundesbank finden Sie hier: https://www.bundesbank.de/de/aufgaben/unbarer-zahlungsverkehr